Anmerkungen zu "politischen Stiftungen" in Deutschland

Anmer­kun­gen zu “poli­ti­schen Stif­tun­gen” in Deutsch­land

2. Juli 2018 Stiftungen 0

 

Die AfD hat sich nun auch eine “poli­ti­sche Stif­tung” an die Sei­te gestellt, um die­se als Instru­ment für die poli­ti­sche Arbeit ein­zu­set­zen. Damit beschäf­ti­gen sich heu­te vie­le über­re­gio­na­le Zei­tun­gen und Medi­en, so auch die FAZ (sie­he Bild) und die Frank­fur­ter Rund­schau. Ein Zitat aus der FR dazu: “Auch die ande­ren Par­tei­en betrei­ben eige­ne Stif­tun­gen, die poli­ti­sche Bil­dungs­ar­beit leis­ten und Semi­na­re und Fort­bil­dun­gen durch­füh­ren. Gegrün­det wur­den sie auch als Reak­ti­on auf die Wei­ma­rer Repu­blik – so etwa die Fried­rich-Ebert-Stif­tung für die SPD und die Kon­rad-Ade­nau­er-Stif­tung für die CDU. Alle par­tei­na­hen Stif­tun­gen leis­ten sich auch Aus­land­bü­ros. Ihre Zuwen­dun­gen erhal­ten sie aus einem Steu­er­topf, der jewei­li­ge Anteil errech­net sich aus den Wäh­ler­stim­men. Im Jahr 2017 flos­sen ins­ge­samt mehr als 580 Mil­lio­nen Euro für die Stif­tun­gen. Legt man das Wahl­er­geb­nis vom ver­gan­ge­nen Jahr zugrun­de, könn­te die AfD etwa mit 70 Mil­lio­nen Euro im Jahr rech­nen.” So weit, so gut – poli­ti­sche Bil­dungs­ar­beit ist wich­tig, gera­de in Zei­ten von zuneh­men­dem Popu­lis­mus.

Zu den Auf­ga­ben der “poli­ti­schen Stif­tun­gen” ein Zitat der Bun­des­zen­tra­le für poli­ti­sche Bil­dung: “Die poli­ti­schen, auch “par­tei­nah” genann­ten Stif­tun­gen in Deutsch­land sind wich­ti­ge Insti­tu­tio­nen der poli­ti­schen Bil­dung. Obwohl sie ihre Bil­dungs­ar­beit – wie ihre gesam­te Tätig­keit – an den poli­ti­schen Grund­wer­ten der ihnen nahe­ste­hen­den Par­tei­en aus­rich­ten, gehö­ren sie zu den soge­nann­ten “frei­en Trä­gern”. Dar­un­ter wer­den alle nicht-öffent­li­chen Trä­ger zusam­men­ge­fasst, die zwar oft­mals welt­an­schau­lich gebun­den sind, aber da sie kei­ne staat­li­chen Insti­tu­tio­nen sind, als “frei” bezeich­net wer­den kön­nen.” Auch “freie Trä­ger” poli­ti­scher Bil­dung muss es geben in einer Demo­kra­tie.

Wich­tig ist mir aller­dings der Hin­weis dar­auf, dass die “poli­ti­schen Stif­tun­gen” bis auf eine Aus­nah­me gar kei­ne Stif­tun­gen sind – son­dern ein­ge­tra­ge­ne Ver­ei­ne (e.V.), die sich ein­fach nur Stif­tung nen­nen. Hier des­halb ein Über­blick über die exis­tie­ren­de Land­schaft in unse­rer Poli­tik (Quel­le: Wiki­pe­dia; Rei­hen­fol­ge: Grün­dungs­da­tum): Fried­rich-Ebert-Stif­tung (SPD): Ver­ein; Kon­rad-Ade­nau­er-Stif­tung (CDU): Ver­ein; Fried­rich-Nau­mann-Stif­tung für die Frei­heit (FDP): Stif­tung; Hanns-Sei­del-Stif­tung (CSU): Ver­ein; Rosa-Luxem­burg-Stif­tung (Die Lin­ke): Ver­ein; Hein­rich-Böll-Stif­tung (Grü­ne): Ver­ein; Desi­de­ri­us-Eras­mus-Stif­tung (AfD): Ver­ein. In mei­nen Ver­mitt­lungs-Ver­an­stal­tun­gen zu den The­men Fundraising/​Stiftungswesen erle­be ich immer wie­der, dass die­ser Sach­ver­halt den meis­ten Men­schen nicht klar ist. Und ich befürch­te, dass auch die Dis­kus­si­on um die “AfD-Stif­tung” am Ende wie­der dafür sor­gen wird, die Form der “gemein­nüt­zi­gen Stif­tung” kri­tisch zu beäu­gen…

An die­ser Stel­le bin ich dann fast dafür, dass ech­te gemein­nüt­zi­ge Stif­tun­gen zukünf­tig (nach der geplan­ten Stif­tungs­rechts­re­form, von der sich man­che Akteu­re dies erhof­fen) den Namens­zu­satz “Aner­kann­te Stif­tung” füh­ren sol­len. Denn war­um soll­ten Ver­ei­ne (und auch ande­re recht­li­che Insti­tu­tio­nen) sich “Stif­tung” nen­nen dür­fen, wenn sie wesent­li­che Vor­aus­set­zun­gen dafür doch gar nicht erfül­len? Hier ist in ers­ter Linie die Ver­mö­gens­mas­se zu nen­nen, die ech­te Stif­tun­gen kenn­zeich­net – Ver­ei­ne aber gera­de nicht. Die “poli­ti­schen Stif­tun­gen” wol­len wohl so hei­ßen, um Serio­si­tät zu signa­li­sie­ren – haben sie das wirk­lich nötig?

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